Kommunale Wärmeplanung

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft „Geothermie und Wärmewende“ hat unsere Gemeinde eine Wärmeplanung erstellt. Diese zeigt auf, wie die Wärmeversorgung in Höhenkirchen-Siegertsbrunn langfristig klimaneutral werden kann. Sie bietet Orientierung für Bürger*innen, Unternehmen und die Gemeinde, da es keine einheitliche Lösung für alle Gebäude gibt.

Zu beachten ist, dass es sich bei der kommunalen Wärmeplanung um ein strategisches Planungsinstrument handelt. Sie ersetzt keine individuelle Beratung und hat keine unmittelbaren rechtlichen Auswirkungen auf einzelne Gebäude oder Eigentümer*innen. Insbesondere begründet sie keine Verpflichtung zum Anschluss an ein Wärmenetz oder zur Nutzung einer bestimmten Heizungsart. Gesetzliche Anforderungen, insbesondere nach dem Gebäudeenergiegesetz, gelten unabhängig davon und können sich künftig ändern.

Die kommunale Wärmeplanung wurde im September 2026 vom Gemeinderat beschlossen. Sie enthält unter anderem eine Bestands- und Potenzialanalyse und eine Kartierung der Teilgebiete mit vorgeschlagenen Maßnahmen.

Logo Förderung BMWK_NKINationale Klimaschutzinitiative

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert die Bundesregierung seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.

Kernpunkte der Wärmeplanung

Im folgenden haben wir wichtige Punkte aus der Wärmeplanung für Sie zum schnellen Überblick zusammengestellt. Eine Karte mit verschiedenen Ansichten und Informationen finden Sie außerdem in unserem interaktiven Geoviewer. 

Den vollständigen Abschlussbericht der Wärmeplanung und weitere Informationen können Sie im Download-Bereich herunterladen.

Die Wärmeversorgung in der Gemeinde ist heute noch stark von fossilen Energieträgern geprägt. Über 80 % des Wärmebedarfs werden durch Erdgas und Heizöl gedeckt.

Insgesamt werden jährlich rund 59 GWh Wärme benötigt. Dabei entstehen etwa 13.500 Tonnen CO₂.

Neben vielen Einzelheizungen gibt es bereits erste Nahwärmenetze, vor allem im Ortskern.

Bestandanalyse Wärmebedarf

Für eine klimafreundliche Wärmeversorgung stehen verschiedene erneuerbare Energiequellen zur Verfügung:
  • Umweltwärme (z. B. Wärmepumpen) wird eine zentrale Rolle spielen
  • Biomasse ist begrenzt verfügbar und kann nur einen Teil beitragen
  • Geothermie wird interkommunal geprüft und bietet langfristig Potenzial
  • Photovoltaik unterstützt die Versorgung durch zusätzlichen Strombedarf
Große industrielle Abwärmequellen sind im Gemeindegebiet nicht vorhanden.
Energieträger Verfügbares Potenzial Beschreibung / weitere Informationen
Biomasse Potenzial vorhanden: 10,8 GWh/a
Potenzial verbleibend: 4 GWh/a
Biomasse verwendet: 6,8 GWh/a
Biogas 866.647 m³ CH4/a
6,9 GWh/a
Annahme Jahresnutzungsgrad 0,8
Flusswasser Kein Potenzial vorhanden
Mitteltiefe Geothermie Schwer abzuschätzen;
Potenzial vermutlich vorhanden
Explorationskampagne erforderlich, aktuell noch im Forschungsstadium
Tiefe Geothermie Bestehende Bohrungen
(Siehe Kapitel 4.4.2.1)
Temperaturniveau
Ca. 120-140 °C
Schüttung und Temperatur abhängig von Bohrung
Bewertung erst nach Probebohrung möglich
Oberflächennahe Geothermie Potenziale je nach Standort und Nutzungsart unterschiedlich
Siehe Kartendarstellungen Kap.4.4.1 bzw. (Energieatlas Bayern, 2023)
Detailprüfung je nach Standort erforderlich
Ausschlussgebiete gekennzeichnet
Abwärme Kein Potenzial bekannt Keine Daten verfügbar
Strom  Biogas
3,4 GWh/a
In Konkurrenz mit der ausschließlich thermischen Nutzung von Biogas
Photovoltaik
Dachflächen: 22,3 GWh/a
Freiflächen: 116 GWh/a
Gesamt: 138,3 GWh/a
Zusätzliches Potenzial zu bestehenden Photovoltaikanlagen
Windkraft
58,0 GWh / a
Annahme: 2.000 Volllaststunden bei einer installierten Leistung von 29 MW
Wasserkraft
-
Keine geeigneten Gewässer wie Flüsse, Bäche oder Stauseen im Gemeindegebiet vorhanden
Ein entscheidender Baustein ist die Reduktion des Wärmebedarfs.

Durch energetische Sanierungen kann der Bedarf deutlich gesenkt werden. Je höher die Sanierungsrate, desto stärker sinken Energieverbrauch und CO₂-Emissionen bis 2045.
Ohne Sanierungen wird die Umstellung auf erneuerbare Energien deutlich schwieriger und teurer.

Potenzialanalyse Wärmebedarf nach Sanierungsquoten
Die zukünftige Wärmeversorgung wird je nach Gebiet unterschiedlich aussehen:
  • Dicht bebaute Bereiche: Hier können Wärmenetze eine sinnvolle Lösung sein. Tiefgehendere Prüfungen werden deshalb künftig in den Fokusgebieten angestoßen.
  • Locker bebaute Gebiete: Dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen stehen im Vordergrund
Bestehende Wärmenetze werden weiterentwickelt. Für das heutige Gasnetz wird ein schrittweiser Transformationspfad hin zu klimafreundlichen Alternativen benötigt.

Zielszenario Überblick Cluster

Zielszenario Karte Clustergebiete

Zielszenario Tabelle Clustergebiete
Die Wärmeplanung wird schrittweise umgesetzt. Wichtige nächste Schritte sind:
  • Prüfung und Entwicklung möglicher Wärmenetze in Fokusgebieten
  • Vertiefung geeigneter Wärmequellen für netzgebundene Wärmeversorgung
  • Abstimmung mit Energieversorgern
  • Information und Beratung für Bürgerinnen und Bürger, wie eine interkommunale Wärmemesse
  • Integration in die Bauleitplanung
  • Anreize und Unterstützung zur energetischen Sanierung schaffen
  • Transformationsplan bestehender Gasnetze
Die Gemeinde übernimmt dabei eine koordinierende Rolle. Die Zuständigkeiten variieren je nach Maßnahmentyp. 
Nr. Maßnahme Ziel Priorität Zeithorizont Zuständigkeit
M1 Aufbau einer kommunalen leitungsgebundenen Wärmeversorgung in einzelnen Gebieten (Fokusgebiete 1–4) Aufbau bzw. Weiterentwicklung einer leitungsgebundenen Wärmeversorgung in den Fokusgebieten 1–4 inkl. Klärung geeigneter Wärmequellen und Entwicklung eines stufenweisen Umsetzungskonzepts. Hoch Kurz- bis mittelfristig: BEW-Machbarkeitsstudie schrittweise Umsetzung Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn in enger Abstimmung mit SWM und weiteren Akteuren
M2 Projektentwicklung netzgebundener Wärmeversorgung (Quartierskonzepte) Vorbereitung und Bewertung netzgebundener Wärmeversorgungslösungen in den Potenzialgebieten inkl. Klärung von Wärmequellen, Netzanschlüssen und Wirtschaftlichkeit. Hoch Kurz- bis mittelfristig (nächste fünf Jahre) Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit Eigentümern, Bauträgern und potenziellen Betreibern
M3 Intensivierte Gespräche mit Wärmelieferanten (SWM) Abstimmung der kommunalen Wärmeplanung mit dem Ausbau und der Dekarbonisierung der SWM-Fernwärme sowie Nutzung von Verdichtungspotenzialen. Mittel Laufend bis 2040 Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn in Kooperation mit den SWM
M4 Dezentrale Wärmeversorgungslösungen Treibhausgasarme Wärmeversorgung auf Gebäudeebene in Gebieten ohne Netzperspektive durch Sanierung und erneuerbare Wärmeerzeugung. Hoch Laufend, langfristig Gebäudeeigentümer; unterstützend Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn
M5 Wärmeversorgungskonzepte in Neubaugebieten Frühzeitige Integration einer erneuerbaren und zukunftsfähigen Wärmeversorgung in Planung und Erschließung von Neubaugebieten. Mittel Laufend bei neuen Baugebieten Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Planung, Klimaschutz)
M6 Sanierung des Gebäudebestands Reduktion des Wärmebedarfs und der Treibhausgasemissionen im Gebäudebestand durch Sanierung und Heizungstausch. Mittel bis hoch Laufend bis mindestens 2040 Gebäudeeigentümer; unterstützend Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn
M7 Transformationsplan der bestehenden Gasnetze Geordnete Transformation der Gasversorgung hin zu treibhausgasneutralen Alternativen und abgestimmter Umbau der Gasinfrastruktur. Mittel bis hoch Langfristig bis spätestens 2045 Gasnetzbetreiber in Abstimmung mit der Gemeinde

Die Wärmeplanung gibt eine langfristige Orientierung, legt aber keine sofortigen Maßnahmen für einzelne Gebäude fest.

Für Eigentümer*innen bedeutet das:
  • Es gibt keine einheitliche Lösung für alle Gebäude
  • Entscheidungen werden schrittweise konkretisiert
  • Individuelle Lösungen bleiben wichtig
  • Fördermöglichkeiten und Beratung spielen eine zentrale Rolle
Wer einen Heizungstausch plant, sollte sich frühzeitig informieren und die langfristige Entwicklung berücksichtigen.
 
Entnehmen Sie dem Wärmeversorgungscluster, welchen Versorgungsoptionen Sie zugeordnet sind. Im Clusterbericht erhalten Sie ergänzende Informationen. Hierüber erhalten Sie eine Einschätzung, ob derzeitig nur dezentrale, privat organisierte Lösungen in Frage kommen oder ob Wärmeauskopplungen theoretisch in Betracht kommen könnten.