Geschichte der Strassennamen
Bis 1945 gab es keine Straßennamen in Höhenkirchen und Siegertsbrunn, wie es auch sonst für kleine Kommunen üblich war.
Straßennamen erzählen viel über die Geschichte einer Stadt: über alte Berufe, wichtige Orte, politische Macht und spätere Umdeutungen. Im Mittelalter wurden Straßen oft nach dem benannt, was dort war oder wer dort lebte, etwa Schustergasse oder Krämergasse; Personennamen wurden erst später populärer.
Wie Straßennamen entstanden sind
Frühe Straßennamen waren meist sehr praktisch. Sie halfen bei der Orientierung und beschrieben die Umgebung, zum Beispiel ein Handwerk, ein Gebäude oder eine Lage. Festere Straßennamen entstanden in europäischen (Groß-)Städten ungefähr zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert.
Warum Namen sich ändern
Straßennamen sind nie nur neutral. Sie wurden und werden oft umbenannt, wenn sich politische Machtverhältnisse ändern, etwa nach Revolutionen, in der NS-Diktatur oder nach Kriegen. Dadurch kann man an Straßenschildern bis heute historische Konflikte und Wertedebatten ablesen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Kolumbusplatz in München.
Was Straßennamen verraten
An Straßennamen sieht man, welche Gruppen oder Personen eine Gesellschaft wichtig fand. Lange dominierten Männernamen; heute wird in vielen Städten stärker darauf geachtet, mehr Frauen zu berücksichtigen. Straßennamen sind deshalb auch eine Art öffentliches Gedächtnis.
Ein anschauliches Beispiel
Eine „Schulstraße“ oder „Hofpechlergasse“ zeigt meist eine funktionale Herkunft, während eine „Pfarrer-Zauner-Straße“ oder „Lesererstraße“ eher politische Erinnerung ausdrückt. Der Unterschied verdeutlicht, wie sich die Benennung von Alltagsbeschreibung zu historisch-politischer Bedeutung entwickelt hat.
In Höhenkirchen-Siegertsbrunn sind primär die Namen der lokalen Bekanntheiten vertreten und eher weniger deutschland- oder europaweit bedeutende Personen des öffentlichen Lebens.
Strassennamen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Der Ursprung der Straße Am Ganter
- Da Ganter ein altes Wort für Balken ist, erinnert die Gemeinde mit diesem Straßennamen an die Arbeiter, die früher in dem Sägewerk gearbeitet haben, welches in dieser Straße stand.
- Der Straßenname bewahrt die Erinnerung an die Handwerker und Arbeiter, die früher in dem Sägewerk tätig waren und zum wirtschaftlichen Leben der Gemeinde beitrugen.
1. Zeitpunkt der Benennung
19982. Der Ursprung des Annette-Kolb-Weges
- Annette Kolb (1870-1967) war eine deutsch-französische Schriftstellerin und Pazifistin.
- Sie lebte lange in München und setzte sich in ihren Werken für Humanität, Frieden und Verständigung ein.
- Mit der Straßenbenennung würdigt die Gemeinde ihr kulturelles und gesellschaftliches Engagement.
1. Zeitpunkt der Benennung
19502. Hintergrundinformationen zum Beruf - Der Anwander
- Anwande“ oder auch „Anwander“ ist eine Bezeichnung in der Landwirtschaft für die Schmalseite eines Ackers, auf der der Pflug gewendet wird
- im erweiterten Sinne wird „Anwande“ auch als Begriff für eine Ackergrenze verwendet
- das Wort entstand im Hochmittelalter (ca. 11.-13. Jahrhundert), vermutlich aus dem Verb anwenden im Sinne von wenden, also um den Pflug zu wenden
- heutzutage wird der Begriff kaum noch genutzt, nur noch vereinzelt in traditioneller Landwirtschaft
3. Warum wurde die Straße so benannt?
- könnte zeigen, dass die Gemeinde insbesondere in der Vergangenheit, aber auch heute noch eine tiefe Verbindung zur Landwirtschaft und den damit entstandenen Traditionen pflegt
4. Vertiefende Infos
1. Zeitpunkt der Benennung
nicht bekannt2. Hintergrundinformationen - die Banater Schwaben
Der Banater Weg ist nach den Banater Schwaben benannt. Die Banater Schwaben waren eine deutschsprachige Bevölkerungsgruppe, die ab dem 18. Jahrhundert im Banat, einer Region im heutigen Rumänien und Serbien, angesiedelt wurde.Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele von ihnen vertrieben oder zur Auswanderung gezwungen. Sie fanden in verschiedenen Regionen in Deutschland eine neue Heimat und brachten ihre Kultur, Bräuche und Traditionen mit.
3. Warum wurde die Straße so benannt?
Mit der Benennung soll an das Schicksal der Banater Schwaben erinnert werden. Viele mussten ihre Heimat verlassen, einige Banater Schwaben kamen auch ins heutige Ortsgebiet von Höhenkirchen-Siegertsbrunn und bauten sich hier eine neue Existenz auf.Der Straßenname erinnert an ihre Geschichte und ist zugleich ein Zeichen der Wertschätzung für ihren Einsatz im wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben.
5. Vertiefende Infos
Das Banat war über viele Jahrzehnte eine multikulturelle Region. Die Banater Schwaben prägten das Leben dort durch Landwirtschaft, Handwerk, Gewerbe und Vereinswesen.Auch nach ihrer Ansiedlung im heutigen Deutschland blieben viele Traditionen erhalten, zum Beispiel in Musik, Küche, Sprache und Festen. Straßennamen wie der Banater Weg halten diese Geschichte im öffentlichen Raum präsent und machen sie für kommende Generationen nachvollziehbar.
1. Zeitpunkt der Benennung
20072. Hintergrundinformationen zum Namen – die Familie Hornstein
- Wer waren die Hornsteins? : Der Name „Hornstein“ ist ein schwäbisches bzw. süddeutsches Adelsgeschlecht, das im Besitz vieler verschiedener Hofmarken war, darunter auch Höhenkirchen mit Schloss Hechenkirchen, das von Maximilian, Freiherr von Hornstein verwaltet wurde. Die Familie hat ihren Stammsitz bei Sigmaringen.
- historische Epoche : Zeit der Hofmarken (ca. 15. – 19. Jh.) => konkret nachweisbar in Höhenkirchen von 1802 bis 1848 (1848: Aufhebung der standes- und gutsherrlichen Gerichtsbarkeit => Ende der politischen Bedeutung des Geschlechts vor Ort)
3. Warum wurde die Straße so benannt ?
- Bedeutung für Höhenkirchen : Maximilian Freiherr von Hornstein war ab 1802 Besitzer der Hofmark Egmating sowie des Sitzes Höhenkirchen und damit Träger der örtlichen Grundherrschaft. In dieser Funktion übte er die mit der Hofmark verbundenen Verwaltungsfunktionen und die niedere Gerichtsbarkeit aus
4. Mitglieder der Familie von Hornstein
- Bekannte bzw. jüngste Familienmitglieder: Robert von Hornstein (1833 – 1890, Komponist); Wolf Freiherr von Hornstein (1918 – 2008, Verleger, Herausgeber und Koch); Erika von Hornstein (verh. Bausch) (1913 – 2005, Malerin, Schriftstellerin und Filmregisseurin)
5. Vertiefende Infos:
- Ortschronik Höhenkirchen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Hornstein_(Adelsgeschlecht)
1. Zeitpunkt der Benennung
20112. Hintergrundinformationen - der Komponist Carl Orff
Die Carl-Orff-Straße ist nach dem Komponisten und Musikpädagogen Carl Orff (1895–1982) benannt. Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem durch sein Chor- und Orchesterwerk „Carmina Burana“, das 1937 uraufgeführt wurde und bis heute weltweit aufgeführt wird.Neben seinem kompositorischen Schaffen beschäftigte sich Orff intensiv mit Musikpädagogik. Gemeinsam mit Gunild Keetman entwickelte er das sogenannte Orff-Schulwerk, ein Konzept zur musikalischen Förderung von Kindern, das bis heute in Schulen und Musikschulen Anwendung findet.
3. Warum wurde die Straße so benannt?
Mit der Benennung der Straße wird das kulturelle und pädagogische Wirken Carl Orffs gewürdigt. Seine Kompositionen sowie seine Ideen zur musikalischen Bildung haben die deutsche Musiklandschaft nachhaltig geprägt. Der Straßenname erinnert an einen Künstler, dessen Einfluss weit über Bayern hinausreicht.Gleichzeitig stellt die Benennung der Straße einen Bezug zum Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit seinem musischen Zweig her, das in unmittelbarer Nähe liegt.
4. Kontroversen und kulturelles Erbe
In den letzten Jahren wurde vereinzelt über Carl Orffs Rolle während der Zeit desNationalsozialismus diskutiert. Historiker bewerten seine Haltung unterschiedlich.
Unabhängig davon bleibt seine Bedeutung für Musik und Musikpädagogik unbestritten.
Der Straßenname wird heute vor allem mit seinem kulturellen Erbe und seinem
Beitrag zur musikalischen Bildung verbunden.
5. Vertiefende Infos
Carl Orff wurde in München geboren und blieb der Stadt zeitlebens eng verbunden. Sein Werk „Carmina Burana“ gehört zu den meistgespielten Chorwerken weltweit. Das von ihm entwickelte Orff-Schulwerk wird in zahlreichen Ländern eingesetzt und beeinflusst noch heute den Musikunterricht. Dadurch wirkt sein pädagogisches und künstlerisches Vermächtnis bis in die Gegenwart fort.1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Der Ursprung der Hirschwinkelstraße
- Mit der Ausdehnung der Bebauung im 19. und 20. Jahrhundert wurden traditionelle Flurnamen (unbebaute Örtlichkeiten außerhalb von Siedlungen, die der Orientierung dienten) häufig als Straßennamen übernommen, um an die natürliche Landschaft und Nutzung des Gebiets zu erinnern.
- Der Name Hirschwinkel geht auf die frühere Jagdnutzung des Gebiets zurück.
- Früher war die Jagd ein Privileg des Adels: Der Herzog besaß das Jagdrecht und veranstaltete Treibjagden.
- Der Hirschwinkel war der Ort, an dem die Hirsche und anderes Wild zusammengetrieben wurden und wo die adligen Jäger warteten, um das Wild zu erlegen.
1. Zeitpunkt der Benennung
20232. Hintergrundinformationen - das Hirthaus
- früheres Gemeindehirtenhaus = Zuhause des Dorfhirten
- fand in späteren Jahren teilweise Verwendung als Waschküche für Dorfbewohner*innen und beherbergte zeitweise die Gemeindeverwaltung
- Bestandteil der Infrastruktur des Dorfes als Wohn- und Versorgungsort
- erstmals erwähnt im 17. Jahrhundert. Abriss in den 1960ern
3. Warum wurde die Straße so benannt ?
- Erinnerung an historische Bedeutung des Gemeindehirtenhauses und Ursprung der Siedlungsentwicklung in Höhenkirchen
4. Wissenswertes zum Hirthaus
- Das Hirthaus stand früher ungefähr dort, wo heute das Rathaus steht, an der Rosenheimer Straße
- Die im Jahr 2025 erbaute Hirthausstraße befindet sich auf dem Grund des früher so genannten Anwesens „Beim Bucklschuster“. Die Bezeichnung diente der Unterscheidung vom zweiten Schusterbetrieb in Höhenkirchen, dem "Herrnschuster".
5. Vertiefende Infos
- Ortschronik Höhenkirchen
- Auszug aus der öffentlichen Niederschrift der 43. Sitzung des Gemeinderats am 26.10.2023
1. Zeitpunkt der Benennung
20072. Historischer Ursprung der Hofmark – Zeitreise ins Jahr 1630
- Hofmark als „Staat im Staate“: Eine Hofmark war ein abgegrenzter Bezirk, in dem der bayerische Herzog (oder Kurfürst ab 1648) einem Adeligen, in diesem Fall den Freiherren der Schrenck, das Recht verlieh, über die Bauern zu herrschen ( = Herrschaft über Land und Leute )
- niedere Gerichtsbarkeit: Der Hofmarksherr war Richter und Gesetzgeber zugleich. Er entschied über Erbschaften, Schlägereien oder Diebstähle
- Steuern und Frondienste: Die Bauern der Hofmark mussten Abgaben an den Herrn leisten und auf dessen Feldern arbeiten
- wirtschaftliche Autarkie: Oft gehörten Mühlen, Brauereien und Tavernen direkt zum Besitz des Hofmarksherrn
3. Bezug zu Höhenkirchen-Siegertsbrunn:
- Beginn: In Höhenkirchen begann diese Ära mit Johann Heinrich Schrenck von Notzing. 1630 erhielt er das Privileg der Hofmark, was den Ort politisch massiv aufwertete
- Zentrum der Macht: Der Mittelpunkt dieser Hofmark war das Schloss (Rosenheimer Straße 11). Die Hofmarkstraße führt heute symbolisch auf dieses historische Areal zu oder grenzt es ein
- Wie war es in Siegertsbrunn? Während Höhenkirchen eine weltliche Hofmark unter den Schrencks war, blieb das benachbarte Siegertsbrunn stärker von kirchlichen Grundherren geprägt. Die heutige Doppelgemeinde vereint also zwei ehemals sehr unterschiedliche Herrschaftsstrukturen
4. Historische Überbleibsel
- Grenzsteine: In der Nähe finden sich teilweise noch alte Markierungen, die die Grenze der Hofmark anzeigten (oft mit dem Schrenck-Pfeil oder Initialen versehen)
- das Schloss: Das Gebäude in der Rosenheimer Straße ist der bauliche Ankerpunkt, auf den sich der Name „Hofmark“ bezieht
5. Vertiefende Infos:
- Ortschroniken Höhenkirchen und Siegertsbrunn
- Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: https://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_184127.pdf?hl=de-DE
- https://hdbg.eu/gemeinden/index.php/detail?rschl=9184127&hl=de-DE
- https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_H%C3%B6henkirchen?hl=de-DE
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Hintergrundinformationen zum Namen – der Beruf des Pechlers
- der Name "Hofpechler" (oder einfach "Pechler") leitet sich von einem historischen Handwerk ab, das im bayerischen Raum verbreitet war: der Pechlerei
- ein Pechler (oder Pechsieder) gewann Harz (Pech) aus Kiefern, um es dann weiter zu verarbeiten. Die Benennung nach alten Berufsbezeichnungen ist typisch für die Pflege lokaler Traditionen bei der Vergabe von Straßennamen
- Ära der Pechler: 16. bis 19. Jahrhundert
3. Warum wurde die Straße so benannt?
- Bedeutung für Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Name gewählt im Rahmen des Traditionsbewusstsein
- der Hofpechler in Höhenkirchen war außerdem kein gewöhnlicher Hof. Seine hochspezialisierten Pechler produzierten das seltene Gut, was ihm enormes Ansehen, aber auch erbitterte Machtkonflikte einbrachte
4. Vertiefende Infos
- https://berufe-dieser-welt.de/die-pechler/
- Gemeindeblatt Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Ausgabe April 2026, S. 28
1. Zeitpunkt der Benennung
19462. Hintergrundinformationen - der Holzapfelhof in Höhenkirchen
- erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1500/1501
- trotz großer Not während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) und der Pest (1632) blieb der Holzapfelhof als einer von 20 Höfen („Bestandsaufnahme“ 1671) der Hofmark Höhenkirchen bestehen
- im Frühjahr 1975 und 1976 ist der Holzapfelhof je zu einem Teil abgebrannt
- nachdem die Brandfläche bis zum Jahr 1979 brach lag, wurden anschließend dort nicht landwirtschaftlich genutzte Gebäude errichtet
- Der Holzapfel war als heimischer Apfelbaum sehr oft in Bauerngärten anzutreffen. Die Äpfel sind klein (2-4cm Durchmesser), der Baum ist in Anbau und Pflege anspruchslos. Der Europäische Wildapfel, lat.: malus sylvestris, war 2013 in Deutschland der Baum des Jahres.
3. Warum wurde die Straße so benannt?
- durch die Bezeichnung „1/1-Hof“ in vielen historischen Quellen, wie beispielsweise der „Bestandsaufnahme“ 1671, ist anzunehmen, dass es sich hier um einen sehr wohlhabenden Hof handelte
- der Holzapfelhof befand sich damals nahe der heutigen Bahnhofstraße 1, wo die Holzapfelstraße beginnt
4. Vertiefende Infos
- „Chronik eines Dorfes“ von Rudolf Stingel, S. 600-601, S.151, S.88-99, S.130, S.73
- Die Holzapfelstraße heute im Vergleich mit dem Holzapfelhof 1920
Bildquellen: Foto Anna Iapichino; „Chronik eines Dorfes“
1. Zeitpunkt der Benennung
erstmals genannt 1997, offiziell 20072. Hintergrundinformationen – Adam Schöttl und die Sendlinger Mordweihnacht
Die Jäger-Schöttl-Straße erinnert an Adam Schöttl (1658–1727), der als „Jäger Schöttl“ bekannt wurde. Er war Anführer der Gebirgsschützen im oberen Isartal und zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten des bayerischen Volksaufstands gegen die habsburgische Besatzung zu Beginn des 18. Jahrhunderts.Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine Beteiligung am Aufstand von 1705. In dieser Zeit versuchten zahlreiche Bauern, Handwerker und Bürger, sich gegen die österreichische Herrschaft zu wehren. Die Ereignisse mündeten schließlich in die sogenannte Sendlinger Mordweihnacht.
3. Warum wurde die Straße so benannt?
Die Straßenbenennung erinnert an den Einsatz Adam Schöttls für die bayerischen Aufständischen. Er steht stellvertretend für den Widerstand weiter Teile der Bevölkerung gegen die damalige Fremdherrschaft.Schöttl wurde als Dank per Dekret das Jägermeisteramt in Höhenkirchen verliehen, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1727 lebte. Mit dem Straßennamen wird ein bedeutendes Kapitel der bayerischen Landesgeschichte und sein Bezug zu Höhenkirchen im öffentlichen Raum sichtbar
gemacht.
Heute wird Jäger Schöttl vor allem als historische Persönlichkeit wahrgenommen. Die Straße erinnert an die Bedeutung von Freiheit, Selbstbestimmung und regionaler Identität in der bayerischen Geschichte.
5. Vertiefende Infos
Die Sendlinger Mordweihnacht vom 25.12.1705 gilt als eines der bekanntesten Ereignisse der bayerischen Geschichte. Viele der Aufständischen verloren dabei ihr Leben.Adam Schöttl überlebte die Ereignisse und wurde später zu einer Symbolfigur des bayerischen Widerstands. Zahlreiche Denkmäler,Gedenktafeln und Straßennamen erinnern noch heute an diese Zeit.
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Der Ursprung der Konzellerstraße
- Die Konzeller Straße erinnert an Einwohner aus dem niederbayerischen Ort Konzell, der nördlich von Deggendorf liegt.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Menschen aus Konzell – darunter auch sudetendeutsche Vertriebene – nach Höhenkirchen, wo sie Arbeit und eine neue Heimat fanden.
- Durch Mundpropaganda folgten weitere Handwerker und Schneiderinnen. Die „Konzeller“ wurden bald zu einem prägenden Teil der Gemeinde und engagierten sich auch im Vereinsleben.
- Auf Wunsch ihrer Nachkommen willigte die Gemeinde ein, mit der Straßenbenennung an ihre Herkunft und ihren Beitrag zur Entwicklung des Ortes zu erinnern.
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Der Ursprung der Korbinian-Westermair-Straße
- Die Korbinian-Westermair-Straße in Höhenkirchen-Siegertsbrunn erinnert an Pfarrer Korbinian Westermair, der von 1917 bis 1950 die Pfarrei St. Peter leitete.
- Jahrzehntelang war er eine wichtige Anlaufstelle als Seelsorger und Stütze der Gemeinde - ein Mann, dessen Engagement noch heute in der Straßenbenennung lebendig bleibt.
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Hintergrundinformationen zu Lena Christ
- Lena Christ wurde am 30.10.1881 in Glonn geboren und starb am 30.06.1920 in München
- sie war eine bayerische Schriftstellerin
- ihr Werk entstand in nur wenigen Jahren, ist aber bis heute bekannt
- zu ihren wichtigsten Werken zählen „Erinnerungen einer Überflüssigen“, „Die Rumplhanni“ und „Matthias Bichler“
- in ihren Texten schrieb sie oft über Armut, soziale Härte, das Leben einfacher Menschen und eigene belastende Erfahrungen
3. Warum wurde die Straße so benannt ?
- Straßen werden oft nach Menschen benannt, die kulturell oder historisch bedeutsam waren
- Lena Christ passt dazu, weil sie eine wichtige Autorin aus Bayern war und bis heute zur bayerischen Literaturgeschichte gehört
- sie ist besonders interessant, weil ihre Bücher nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch zeigen, wie schwer das Leben vieler Menschen damals war
- der Straßenname erinnert also nicht nur an eine einzelne Person, sondern auch an ein Stück bayerische Kultur- und Sozialgeschichte
4. Heutige Bedeutung
- heute wird Lena Christ verbreitet als eine Schriftstellerin gesehen, die früh und sehr ehrlich über soziale Probleme, Gewalt, Ausbeutung und Ungerechtigkeit geschrieben hat
- dadurch hat ihr Name heute sogar noch zusätzliche Bedeutung: Er erinnert nicht nur an Literatur, sondern auch an die Frage, wie die Gesellschaft mit armen und benachteiligten Menschen umgeht
5. Vertiefende Infos
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Namensursprung - die Leonhardikirche
- Legende zur Gründung der Leonhardikirche: Bei einem Brunnenbau wurde ein Arbeiter verletzt, sodass ein Holzspan mit einem Blutfleck behaftet wurde. Ein eulenähnlicher Vogel trug diesen auf den Platz der heutigen Wallfahrtskirche. Dies wurde als himmlische Botschaft empfunden und war Anlass, die Kirche an dieser Stelle zu errichten.
- Benefizium zu Ehren des Nothelfers St. Leonhard (-> Namensgeber), der hl. Jungfrau Maria und der Märtyrerin St. Barbara
- Der hl. Leonhard: lt. Überlieferung im 5. Jahrhundert n. Chr. geboren, gilt als Schutzpatron des Viehs, insbesondere der Pferde, als Patron der Gefangenen und schwangeren Frauen
3. Historische Ereignisse:
- Sigoho- und Leonhardistraße: Sie waren früher bedeutende Fernstraßen, welche zum Transport von Salz von Reichenhall über Siegertsbrunn bis nach Norden dienten. An dieser stark frequentierten Weggabelung trafen sich viele Reisende, weshalb es naheliegend war, dort eine Stätte der Verehrung zum Schutz und Segen zu errichten
- erste urkundliche Nennung der Leonhardikirche: 1403 im Salbuch (Vorgängerbauten bestanden wahrscheinlich weit davor)
- 1460: Stiftung des Wallfahrtsbenefiziums
- 17.08.1769: Durch einen Blitzeinschlag brannte fast die gesamte Kirche ab. Die Kirche bekam nach den Aufbauarbeiten statt dem ursprünglichen gotischen Spitzturm die heute vorhandene welsche Haube
- Kirche als Kulturgut: die Leonhardikirche ist nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vom 14.05.1954 als wertvolles unbewegliches Kulturgut eingestuft
4. Wallfahrt und Leonhardifest:
- die Wallfahrt: bereits im 15. und 16. Jahrhundert bestand eine blühende Wallfahrt zur Leonhardikirche. 1675 fand erstmals ein Umritt um die Kirche statt.
- das Leonhardifest: 1854 wurde die Wallfahrt mit einem Markt abgehalten. Dies traf aufgrund der „Zweckentfremdung“ seitens des Ordinariats München auf wenig Begeisterung. 1946 wurde das Leonhardifest erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder abgehalten. Allerdings war der Pferdebestand aufgrund der Technisierung deutlich zurückgegangen, weshalb die Umfahrt mit geschmückten Traktoren, PKWs und Motorrädern abgehalten wurde. Dieser Trend hielt einige Jahre an, bis Landwirte auf Pferdepensionshaltung umstiegen und auch Reitschulen am Umritt teilnahmen.
- Leonhardifest heute: seit 1905 findet die Leonhardiumfahrt immer am Sonntag nach dem Kilianstag (08.07.) statt. Sie wird begleitet von einem dreitägigen Fest der Kirchengemeinde und der Vereine und zieht Gäste aus der Gemeinde und der ganzen Region an
5. Vertiefende Infos
- Ortschronik Siegertsbrunn
1. Zeitpunkt der Benennung
19792. Hintergrundinformationen zum Namen - die Familie Leserer
- benannt nach: Familie Leserer, insbesondere Thomas und Josef Leserer als Bürgermeister von Höhenkirchen
- Josef Leserer : Bürgermeister von Höhenkirchen von 1919 bis 1933; Epoche der Weimarer Republik
- Thomas Leserer : Bürgermeister von Höhenkirchen von 1888 bis 1892; Epoche des deutschen Kaiserreichs bzw. der Belle Époque
3. Warum wurde die Straße so benannt ?
- zu Ehren der Familie Leserer
- Josef Leserer stiftete die Kriegergedächtnisglocke ehrenamtlich aus seinem Bürgermeistergehalt zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Glocke wurde leider 1942 wie abertausend andere Kirchenglocken im damaligen Deutschen Reich eingeschmolzen, um daraus Kriegswaffen herzustellen
- Josef Leserer organisierte den Neubau einer zeitgemäß modernen zentralen Wasserversorgung
- der so genannte Bucklschusterhof, ein ehemaliger Besitz der Familie, steht bis heute in Höhenkirchen
4. Vertiefende Infos
- Ortschronik Höhenkirchen
Die Kriegergedächtnisglocke auf dem Weg zur Glockenweihe im März 1927
1. Zeitpunkt der Benennung
19972. Hintergrundinformationen - die Siedlung Marchwartsprunn
Der Name Marchwartweg geht auf die historische Siedlung Marchwartsprunn zurück, die als frühmittelalterlicher Ursprungsteil des heutigen Ortes Höhenkirchen gilt.Der Begriff „Marchwart“ (auch „Marktwart“) bezeichnete im Mittelalter einen Wächter oder Verwalter einer Mark (Grenze). Diese Person hatte die Aufgabe, die Grenzen eines Herrschaftsbereichs zu überwachen, Streitigkeiten zu schlichten und für die Sicherheit im Grenzgebiet zu sorgen.
Der Weg erinnert somit an die Bedeutung der Grenzsicherung und Verwaltung in der mittelalterlichen Siedlungsgeschichte unserer Region.
3. Warum wurde die Straße so benannt?
Die Benennung des Marchwartwegs soll die Verbindung zur lokalen Geschichte und zur ehemaligen Siedlung Marchwartsprunn sichtbar machen. Sie würdigt die Rolle der Marchwarte, die im Mittelalter für Schutz, Ordnung und Verwaltung an den Grenzen zuständig waren. Der Straßenname bewahrt somit ein Stück regionaler Vergangenheit und macht auf die historischen Wurzeln des Ortes aufmerksam.5. Vertiefende Infos
Die Siedlungsspuren von Marchwartsprunn zählen zu den ältesten im Gemeindegebiet und weisen auf eine Besiedlung bereits im frühen Mittelalter hin. Die strategische Lage an einer wichtigen Wegeverbindung machte die Überwachung der Grenze besonders bedeutend.1. Zeitpunkt der Benennung
20172. Namensursprung - Martin Luther:
- Martin Luther lebte von 1483 bis 1546
- er war ein deutscher Theologe, Mönch und Reformator
- er gilt als eine der wichtigsten Personen der Reformation, also der Bewegung, aus der die evangelische Kirche entstand
- seine Bedeutung liegt vor allem darin, dass er Kirche und Glauben erneuern wollte. Die daraus resultierende Reformation hat die europäische Geschichte stark beeinflusst
3. Warum wurde die Straße so benannt?
- der Platz liegt direkt an der Kreuz-Christi-Kirche, also an der evangelisch-lutherischen Kirche in Höhenkirchen-Siegertsbrunn
- die Benennung hatte deshalb einen klaren Bezug zur evangelischen Gemeinde vor Ort
- gleichzeitig sollte zum Jubiläum im Jahr 2017 an 500 Jahre Reformation erinnert werden
- die Umgestaltung des Platzes sollte nicht nur schöner aussehen, sondern auch inhaltlich an die Reformation und ihre wichtigsten Ideen erinnern
4. Heutige Sicht auf Martin Luther:
- Martin Luther ist eine sehr bedeutende historische Person, wird heute aber nicht nur positiv gesehen
- einige seiner späten Aussagen, besonders über Jüdinnen und Juden, werden heute stark kritisiert
- trotzdem bleibt er für die Geschichte von Kirche, Bildung und Europa eine zentrale Figur
- der Platz kann deshalb sowohl an die Reformation erinnern als auch dazu anregen, sich kritisch mit Geschichte auseinanderzusetzen
5. Vertiefende Infos
Die Höhenkirchener Chronik von Rudolf Stingl verzeichnet, dass eine der Töchter einen Georg Schierle ehelichte. Verzeichnet ist, dass sie „...den von Augsburg kommenden edlen und werten Georg Schierle, Major in Spanien bestellter Hauptmann, ehelichte. Das Gut Höhenkirchen wird als Edelmannssitz mit den einschlägigen Gütern diesem Hofmeister übergeben...“ Anscheinend blieben die beiden kinderlos, denn die Chronik verzeichnet weiter, dass zwischen 1618 und 1628 der Besitz Schürle in Höhenkirchen, nämlich eine Taverne, vier Höfe und drei Sölden an den bayerischen Truchsess Hans Wolf Georg Pelkover kam, der die Jakobä Wagerin, eine weitere Tochter der Maria Wager ehelichte. Auch sie blieben ohne männlichen Nachfolger, womit das Geschlecht der Wager in Höhenkirchen endgültig zu Ende ging. Von den beiden zeugt eine markante große steinerne Grabplatte, die im Innern der Kirche Mariä Geburt in Höhenkirchen ihre endgültige Bleibe gefunden hat.
Auf ihr sind die Daten der beiden Verstorbenen mit den jeweiligen Wappen d.h. der Familie Wager und auch der Familie Pelkover verewigt.
Familienwappen der Pelkover (Quelle: Wikipedia)
Von 1904 bis 1917 wirkte er an der Kirche St. Leonhard in Siegertsbrunn und verfasste eine historische Darstellung der Leonhardi-Wallfahrt und der Kirche.
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Historischer Ursprung
- der Name leitet sich vom ehemaligen Hofmarkschloss Höhenkirchen (heute Rosenheimer Straße 11) und dem dazugehörigen Anger ab
- als „Anger“ bezeichnete man die gemeinschaftlich genutzten Wiesen- und Grünflächen, die direkt an das Schlossareal und dessen Wirtschaftshof angrenzten
- hier weidete früher das Vieh der herrschaftlichen Hofmark
3. Warum wurde die Straße so benannt ?
- der Weg markiert die historische Grenze zwischen dem alten Schlosskern und den landwirtschaftlichen Flächen
- heute hat sich das Areal zu einem zentralen Gesundheits- und Dienstleistungszentrum der Gemeinde entwickelt, in dem zahlreiche soziale Einrichtungen sowie das Seniorenzentrum Wohnen am Schlossanger ansässig sind
4. Vertiefende Infos:
- Ortschroniken Höhenkirchen und Siegertsbrunn
- https://de.wikipedia.org/wiki/Anger
- Historisches Lexikon Bayerns, Artikel über die Familie „Schrenck (Adelsfamilie)“: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schrenck,_Adelsfamilie
1. Zeitpunkt der Benennung
20072. Hintergrundinformationen zum Namen – die Familie Schrenck
- die Familie gehört zu den ältesten und einflussreichsten Adelsgeschlechtern Münchens
- sie ist seit dem 13. Jahrhundert (urkundlich 1269) belegt und stellte über 300 Jahre lang Mitglieder im Rat der Stadt
- damit ist sie das einzige bis heute fortlebende „ratsfähige“ Geschlecht der Stadt
3. Die Erhebung zur Hofmark (1630)
- Johann Heinrich Schrenck kaufte 1629 das Schloss in Höhenkirchen und die Grundherrschaft von der Familie Pelkover (zuvor war Höhenkirchen über Jahrhunderte hinweg eine bäuerliche Ansiedlung gewesen)
- ein Jahr später gelang es ihm, für Höhenkirchen die Privilegien einer Hofmark zu erhalten
- damit wurde der Ort zu einem eigenständigen Rechtsbezirk, in dem die Schrencks als Hofmarksherren u.a. die niedere Gerichtsbarkeit ausübten
4. Heutige Spuren der Familie Schrenck
- das ehemalige Hofmarkschloss, heute in der Rosenheimerstr. 11, war der Sitz der Familie (1629 – 1694)
- das Gebäude, welches ursprünglich aus zwei getrennten Bauten bestand, wird heute als Wohn- und Geschäftshaus (Schuhhaus Gaar) genutzt
- ein alter Hofmarkgrenzstein von 1728 im Garten des ehemaligen Schlosses erinnert noch an die Zeit der adeligen Herrschaft
5. Präsenz der Hofmark im Gemeindewappen
- der schwarze Pfeil auf rotem Grund des Gemeindewappens von Höhenkirchen-Siegertsbrunn entspringt dem Stammwappen der Schrenck von Notzing
- er soll 1962 offiziell ins Wappen der damaligen Gemeinde Höhenkirchen aufgenommen worden sein, um die historische Bedeutung der Familie als Begründer der Hofmark zu würdigen
6. Vertiefende Infos
- Haus der Bayerischen Geschichte: Eintrag zur Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Dokumentation der Wappengeschichte und Hofmarksprivilegien)
- Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste für Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Details zum Schloss und den historischen Grenzsteinen)
- Historische Lexikon Bayerns: Artikel über die Familie „Schrenck (Adelsfamilie)“
- https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schrenck,_Adelsfamilie
- Ortschronik Höhenkirchen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Schrenck_von_Notzing
1. Zeitpunkt der Benennung
19702. Hintergrundinformationen zum Namen - die Erich Kästner-Schule
- Errichtung der Schule nach dem Zweiten Weltkrieg. Du
- rch den großen Flüchtlingsstrom wuchs die Einwohnerzahl von Höhenkirchen und Siegertsbrunn rasant an, daher wurde eine Schule benötigt
- Schulhausneubau in den Jahren 1950/51
- Finanzierung war eine große Herausforderung aufgrund vieler Schulden der Gemeinde nach dem Krieg. Herr Direktor Peter Epple leistete eine großzügige Spende an die Gemeinde für die Errichtung der Schule. Auch Spenden des Bayerischen Rundfunks („Glückswelle“) unterstützten den Bau finanziell. Insgesamt Kosten von 150.713,38 DM
- Eröffnungsfeier für das Gebäude mit drei Schulräumen am 02.12.1951 mit großem Festakt
- in den Folgejahren wurde das Schulgebäude um weitere Schulräume und Lehrerwohnungen ergänzt
3. Vertiefende Infos
- Ortschronik Höhenkirchen
1. Zeitpunkt der Benennung
unbekannt2. Hintergrundinformationen zum Namen Sigoho
- der vermutete Siedler und Brunnenbauer Sigoho gilt als Gründer von Siegertsbrunn
- es wird angenommen, dass er in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts mit seiner Großfamilie die damalige Gemarkung besiedelte und sie durch die Grabung eines über 30 Meter tiefen Brunnens erst bewohnbar machte
- für die damalige Zeit war dies eine technische Pionierleistung und der Brunnen wurde zum namensgebenden Merkmal des Ortes. Aus der Bezeichnung „Sigihohesprunnen“ entwickelte sich über die Jahrhunderte der heutige Name Siegertsbrunn
3. Historische Quellenlage zur Ortsgründung
- das Heimatbuch Siegertsbrunn, verfasst von Wolfgang Bethke, befasst sich intensiv mit Fragen, die sich auf die Gründung der damaligen Ansiedlung Sigohohesbrunnen (nur einer der historischen Namen) beziehen. Dazu gibt es eine alte Urkunde aus dem Jahr 816, in der zu lesen ist, dass ein Sigihoh als Ohrenzeuge anwesend war; es findet sich aber kein Hinweis, dass die anderen handelnden Personen oder die genannte Örtlichkeit in Bezug zu der heutigen Ansiedlung Siegertsbrunn gestanden hätten
- als Quellen für die Gründung oder das Bestehen einer Ansiedlung dienen üblicherweise historische Fundgegenstände oder Urkunden. Letztere stammen häufig aus klösterlichem Bestand, z.B. Schenkungen, Kaufverträge oder Tauschgeschäfte unter Nennung der Vertragspartner
- für Siegertsbrunn liegen solche Dokumente zum Beispiel aus den Jahren 1048 und 1078/91 vor
4. Weitere Infos
- Ortschronik Siegertsbrunn
- Archiv der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn
1. Zeitpunkt der Benennung
20192. Hintergrundinformationen zum Namen - der Stumbeckhof
- der Hof beim „Stumbeck“ im Ortskern von Siegertsbrunn zählt zu den ältesten und größten Höfen und gilt als eines der Gründungsanwesen des Ortsteils Siegertsbrunn
- der Hof-/Hausname geht aus dem ersten Familiennamen „Stumpeck“ hervor
- der Stumbeck-Hof ist inzwischen seit mehreren Generation im Besitz der Familie Mayer. 1989 stellte Josef Mayer den Betrieb ganz auf biologisch-organischen Landbau um
3. Historische Ereignisse
- 1460: erste urkundliche Nennung des Hofes beim „Stumbeck“
4. Vertiefende Infos
- Ortschronik Siegertsbrunn
Der Stumbeckhof in den Jahren 1909 (vorne die Dorflack) und 1996 (nach Renovierung).
1. Zeitpunkt der Benennung
20072. Hintergrundinformationen zum Namen - die Sudetendeutschen
- Sudetendeutsche oder Deutschböhmen ist die Bezeichnung für den Teil der Bevölkerung, der in Böhmen bzw. der späteren Tschechoslowakei / dem heutigen Tschechien Deutsch sprach
- diese Sammelbezeichnung für viele verschiedene ethnische Gruppen wie Böhmen, Schlesier oder Mähren tauchte nach dem Ersten Weltkrieg auf und wird seitdem verwendet
- Sudetendeutsche siedelten schon seit dem 12./13. Jahrhundert in dieser Region (so genannte „mittelalterliche Ostsiedlung“)
- am 29.09.1938 annektierte das Deutsche Reich unter dem Regime der Nationalsozialisten die sudetendeutsche Gebiete. Unter den Sudetendeutschen waren auch jüdische Mitbürger*innen, ebenso auch Regimekritiker; diese wurden später mehrheitlich Opfer des Holocausts
- nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sudetendeutschen „ausgesiedelt“, sie wurden unter Gewalt gezwungen, ihre Heimat zu verlassen
- eine kleine Minderheit der Sudetendeutschen lebt auch heute noch in Tschechien, musste allerdings in den Folgejahren des Krieges Diskriminierung und Gewalt erleben
3. Warum wurde die Straße so benannt?
- am 20.04.1946 kamen die ersten Sudetendeutschen aus Olmütz (damalige Tschechoslowakische Republik) in die damalige Gemeinde Höhenkirchen, am 07.06.1946 folgten weitere aus Falkenau (Tschechoslowakische Republik)
- 2007 regte die „Sudetendeutsche Landsmannschaft, Landesgruppe Bayern e.V.“ mit einem Schreiben an die damalige Bürgermeisterin Ursula Mayer an, mit einer Straßenbenennung an ihre frühere Heimat zu erinnern
- die Straße wurde einerseits im Gedenken an die Vertreibung der Sudetendeutschen benannt und andererseits auch als Zeichen, dass die Sudetendeutschen in der Gemeinde nicht als „Außenseiter“ gesehen wurden, sondern als fest integrierter Bestandteil
4. Kontroversen bezüglich des Namens
- obwohl die Bezeichnung „Sudetendeutsch“ von der Bevölkerungsgruppe heute als Selbstbezeichnung verwendet wird, gibt es auch gewisse Kontroversen, da der Begriff von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde, um die Annexion zu rechtfertigen und Propaganda zu verbreiten
- außerdem wurden mit der Bezeichnung „Sudetendeutsche“ mehrere einzelne Minderheiten in verschiedenen Regionen zusammengefasst, wie beispielsweise Böhmen, Mähren und Schlesien. Damit wurde auch eine weitere Abgrenzung zu der tschechischen Mehrheitsbevölkerung verursacht
- deshalb sollte man bei der Verwendung dieses Begriffes immer auch die Kontroverse darum im Kopf behalten
5. Vertiefende Infos
- „Chronik eines Dorfes“ von Rudolf Stingl, S. 338-346
- https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-11849
- https://de.wikipedia.org/wiki/Sudetendeutsche#Volksgruppe_der_Sudetendeutschen
- https://www.sudeten.de/Geschichte
1. Zeitpunkt der Benennung
19782. Historischer Ursprung
- Ursprung als Rodungsinsel: Der Wächterhof entstand im hohen Mittelalter als isolierte Siedlung in Form einer Schwaige (Viehhof) innerhalb des damals dichten Höhenkirchner Forsts
- wirtschaftliche Funktion: Als sogenannte „Schwaige“ lag der Fokus auf der Viehhaltung, da die Bodenbeschaffenheit der Münchner Schotterebene Ackerbau erschwerte
- Grundherrschaft: Der Hof der Familie Wächter war historisch Teil der Hofmark Höhenkirchen und unterstand damit rechtlich und finanziell den jeweiligen Schlossherren, unter anderem den Herren von Schrenck-Notzing
- Zentrum der Hofjagd: Bis ins 19. Jahrhundert diente das umliegende Waldgebiet als Revier für landesherrliche Treibjagden und Sauhatzen, wobei der Wächterhof als wichtiger Stützpunkt am Rande eingezäunter Sauparks fungierte
3. Neue Funktion des Wächterhofs im Zweiten Weltkrieg
- industrielle Nutzung im 20. Jahrhundert: Ab 1939 wurde im angrenzenden Waldareal die Heeresmunitionsanstalt (Muna) Hohenbrunn errichtet, ein industrieller Großbetrieb zur Munitionsherstellung mit über 100 Bunkern und eigenem Bahnanschluss am Haltepunkt Wächterhof
- Zwangsarbeit: Während des Zweiten Weltkriegs befand sich am Wächterhof ein Lager für Zwangsarbeiter, die in der Munitionsfabrik eingesetzt wurden
4. Vertiefende Infos
- Ortschroniken Höhenkirchen und Siegertsbrunn
- Bayerisches Staatsarchiv: Unterlagen zur Heeresmunitionsanstalt Hohenbrunn und zur Nutzung des Wächterhofs als Arbeitslager
- https://de.wikipedia.org/wiki/Munitionsanstalt
- https://hohenbrunn.de/unser-hohenbrunn/tag-der-offenen-muna/
1. Zeitpunkt der Benennung
19912. Hintergrundinformationen zum Namen
- der Wortteil „Wirts“ bezeichnet eine mit Kräutern bewachsene Fläche
- das Wort „Wirz“ ist eine Mehrzahlform von „Wurz“; gemeint sind Wurzeln bzw. Kräuter, die eine heilkräftige Wirkung haben
- auf der Wiesenfläche befand sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Lagerplatz mit Werkstätten und einem Betonwerk der Firma Sager & Woerner
- durch die Nähe zum Bahnhof war der Ort geeignet, die Güter vor oder nach der Verladung zu lagern
- es gab einige einfache Nutzgebäude (siehe Foto aus dem Archiv von Höhenkirchen-Siegertsbrunn)
3. Warum wurde die Straße so benannt?
- der Name erinnert an die Flur, die einst zum (Alten) Wirt gehörte
4. Vertiefende Infos
Luftaufnahme des Gebietes Grenzweg / Wirtsbreite in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts (Archiv der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn)Solche Haus- bzw. Hofnamen waren in oberbayerischen Dörfern üblich und bezeichneten einen bestimmten Bauernhof oder dessen Besitzer; sie wurden später teilweise als Straßennamen übernommen.